Abenteuer Indien

Begleitet uns auf unserem kleinen Indien Abenteuer. Seht was wir sehen; fühlt, was wir fühlen; lacht, über was wir lachen. Schön das ihr dabei seid!

Montag, 7. Januar 2013

Kipling Camp, oder von der Kunst, keine Tiger zu sehen

wer meint, Tiger verstehen nichts von Prozentrechnung, hat sich deutlich getäuscht. Bei jeder dritten Safari werden Tiger im Park gesichtet. Darum haben wir 6 Safaris gebucht-damit wir garantiert zwei mal Tiger sehen. Soweit der Plan.

Probleme kann es dann eigentlich nur zweierlei geben.
Erstens-wenn direkt vor unserem Urlaub eine Reisegruppe munterer Briten leider nur Zeit für 3 Safaris hat...und auf allen dreien Tiger sieht, inkllusive einem männlichen Exemplar, der dem Jeep fast auf die Haube gesprungen ist, was eigentlich sogar doppelt zählt. Wenn also die 3 Safaris der Briten und unsere 6 zusammen 9 ergeben, sieht man normalerweise 3 mal Tiger. Stimmte dann auch: Britanien 3-Deutschland 0. Statistiken lügen nicht.
Problem Nummer zwei gibts, wenn der Campmanager Charles mit an Bord ist. Charles hat in den letzten 12 Safaris und gefühlten 2 Jahren keine Tiger mehr gesehen. Das erzählt er uns natürlich erst, nachdem wir unsere Tour beendet hatten, angeblich, um uns zu trösten.

Warum Charles (ein Brite-natürlich) nicht einfach bei seinen Landsleuten mitgefahren ist, wird sein Geheimnis bleiben, ich werde hier mal keine dunklen Verschwörungstheorien zur EU Krise aufstellen und wünsche Charles auf seinem weiteren Lebensweg, bei dem wir hoffentlich keine gemeinsamen Safaris mehr fahren werden Alles Gute!

Charles auf dem Weg zur Superserie...
Wir sind ja aber flexibel und dem Wesen nach sowieso eher fröhliche Zeitgenossen und es ist ja nicht so, dass wir nichts gesehen hätten-alle möglichen Tigerarten haben wir gesehen-nur eben keine gestreiften. Wer's nicht glaubt, hier die Beweise....
Das beste Bild des Bengaltigers: er  befindet sich ca.5m hinterm 2. Baum von rechts. Perfekte Tarnung!

Nachwuchshorntiger mit Mutti

Schwarzer Horntiger -Pappi

Flugtiger (oben rechts im Baum)


Languren bei der Suche nach dem Laustiger

Wer hat den Tiger zuerst nicht gesehen?
Das unsere Safaris und der Jahreswechsel trotzdem ein tolles Erlebnis waren, verdanken wir vor allem den Kipling Camp und Tara. Das Camp wurde vor über 20 Jahren durch die Familie Wright aufgebaut. Belinda, die Tochter der Wrights ist quasi mit den Tigern im Camp aufgewachsen. Der Profit, der mit den Einnahmen aus dem Camp erzielt wird, wird fast 1:1 in Projekte zum Schutz der Tiger investiert-das ist vor allem Lobbyarbeit auf den höchsten politischen Ebenen auf der einen Seite, auf der anderen Seite viel Tagesarbeit, um in den vielen indischen Dörfern die Akzeptanz und die Mehrwerte von lebenden Tigern in der nächsten Umgebung zu erhöhen-und das alles kostet Geld. 
Rüsseltiger Tara mit Mahout beim Spielen
Und Tara - der "Camp-Elefant" stellt für Familien sicher, dass der Urlaub auf jeden Fall ein Erfolg wird, oder wo sonst hat man die Möglichkeit nicht nur im Urlaub um 5 Uhr aufzustehen, mit den Elefanten zu reiten, sondern auch zu baden und mal richtig abzuschrubben? Wo sonst schleicht nachts ein Leopard ums Camp zur Wasserstelle, und wir hätten ihn fast! erwischt.

Wenn dann noch mit viel Liebe eine kleine persönliche Silvesterfeier organisiert wird, bei dem ein echter Maharadscha mit seiner Maharani, seinem Sohn und einem Stammbaum von über 100 (!) Generationen mitfeiert ist man nicht soooo traurig, keinem Tiger direkt ins Auge geblickt zu haben. 
Silvester Tigerparty
Müssen wir eben nochmal wiederkommen. Und aufpassen, dass, Charles nicht mit in den Jeep steigt und vor uns keine Briten unsere Wahrscheinlichkeiten aufbrauchen. 
Genau-auf Wiedersehen, beim nächsten Mal mit Tigern, bitte!


Sonntag, 30. Dezember 2012

Der Tiger schläft heut nacht

Kanha Monduntergang


wir sind auf Safari. Die frühen Kolonialherren hatten nach einer Safari anschliessend einen ordentlichen Kaminvorleger, über den man dann jedes Jahr Silvester hübsch stolpern kann. Es gab viele Kolonialherren, daher gab es dann immer mehr Kaminvorleger und weniger zum jagen. Irgendwann gab es nichts mehr zum jagen, dann haben die Kolonialherren Indien verlassen. 1973 stellte man trotzdem fest, dass die Tigerpopulation dramatisch geschrumpft war-in China waren die herrlichen Tiger mittlerweile  ausgestorben-Viagra war noch nicht erfunden und der chinesische Bedarf wird seitdem illegalerweise in Indien gedeckt. Seit 1973 gibt es einige Nationalparks zum Schutz der Tiere. Auch wenn das nur in den ersten 20 Jahren richtig gut funktioniert hat, gibt es in den Parks noch eine sinnvolle Anzahl zum jagen, allerdings nur mit der Kamera. In der Mitte Indiens liegt der Kanha Nationalpark. 90 Katzen warten dort auf uns-oder auch nicht.Tiger sind Nachtaktiv bzw. Frühaufsteher-wenn man also etwas sehen möchte, ist frühes Aufstehen angesagt. Am besten klappt frühes aufstehen im Kipling Camp, seit über 20 Jahren stehen morgens um 5 Uhr Tee oder Kaffee bereit und man wir freundlich geweckt. Die Uhrzeit entspricht zu dieser Jahreszeit auch der Temperatur,daher kommen endlich auch mal lange Unterhosen,Handschuhe und Schal in Indien zum Einsatz.
Kanha, kurz vorm aufstehen...
Offenes fahren im Jeep in den Sonnenaufgang auf der Suche nach den hübschen Katzen. Die Parkführer richten sich bei der Suche nach Fussspuren im Sand vor allem aber an den Warnrufen der Vögel und Affen, bzw.Languren, um genau zu sein. Die Languren haben sogar zwei unterschiedliche Warnrufe-einen für Tiger, einen für Leoparden. Grund: Tiger können zwar toll schwimmen, Leoparde kommen dafür aber auch Bäume hoch-also ist der Warnruf bei "Leopard in Sicht" deutlich aufgeregter. Bei Fischen soll das genau andersrum sein, die Warnrufe hört man aber auch eher selten.
Wie sieht eigentlich ein Dschungel aus? Nicht so wie man denkt, eigentlich eher wie eine Mischung aus Harz und Lüneburger Heide, allerdings ohne Nadelwald, dafür mit Bambus und etwas höheren Bäume.

In der Mitte Indiens regnet es nicht viel, noch weniger als in Delhi, umso wichtiger sind die kleinen Seen und Tümpel für die Tierwelt. Wir sehen viele tolle Vögel, eine Menge Damwild und auch Wildschweine, Affen, Ochsen und ein paar indische Antilopenarten als Katzenfutter.
Alles, nur (noch) keinen Tiger...ist ok, wir sind ja insgesamt 5 Tage hier und es wäre ja auch blöd, direkt am Anfang die Highlights zu sehen, langsamer Spannungsaufbau ist auch für die Kinder besser, um sie die nächsten Morgen weiter gut aus dem Bett zu bekommen.



Das ist Charles, Charles hat seit 12 Safaris keinen Tiger gesehen, wir haben die Serie nicht beenden können...

Vokuhila Kuh mit Kalb









 
Kalt aber guter Dinge...





Waidmans Heil!

Dienstag, 25. Dezember 2012

Hier brennt der Baum...


St.Nikolaus hoch zu Elefant.
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt....und nicht nur das.
Wir haben erfolgreich die Adventszeit, den Heiligen Abend und den Weltuntergang in Indien überlebt.

Weltuntergang in Delhi am 21.12.2012
Der Dezember ist dieses Jahr für uns ein wirklich spannender Monat (gewesen). Und Delhi hat es mal wieder in die Tagesthemen geschafft, eigentlich sogar zweimal. Die letzte große Nachricht war ja der Smog im Oktober/November-jetzt zieht auch wieder Rauch durch Delhis Straßen, aber leider eher durch relativ heftige Unruhen. Auslöser war eine selbst für indische Verhältnisse extrem brutale Vergewaltigung einer Studentin und Ihres Freundes in einem privaten Bus durch 8 Passagiere inclusive dem Busfahrer. Die Proteste richten sich gegen die Regierung, die (frauenverachtende) Gesellschaft, das pomadige Rechtssystem und und eigentlich alles, wogegen sich protestieren lässt. Die Regierung sieht dem Treiben ohnmächtig zu und versucht sich in Schadensbegrenzung, dh.es werden schnellere Verfahren versprochen, einige Politiker erklären sich solidarisch mit den Demonstranten, was einfach ist, weil die Forderungen sehr unspezifisch sind und um die Demonstrationen nicht ausufern zu lassen, werden die zentralen U-Bahnstationen gesperrt.

Normalerweise werden ja in den Medien alle Beteiligten -Opfer und Täter-mit Adressdaten, vollem Namen erwähnt. Tatsächlich werden in diesem Fall zumindest die Opfer mit etwas Privacy geschützt. Die Täter allerdings sehen sich jetzt einer drohenden Lynchjustiz ausgesetzt-nicht wenige fordern die Todesstrafe für Vergewaltiger (Lebenslang ist die aktuelle Höchststrafe). "Passend" dazu hat gerade ein Gesichtssäureattentatsopfer bei "Wer wird Millionär" die Million abgeräumt-ebenfalls eine lebende Ikone für das zum Teil mittelalterliche Rollenverständnis in Indien. Die arme Frau hatte einen Stalker abgewiesen und wurde dann nachts im Schlafzimmer mit Säure überschüttet-die Täter wurden auf Bewährung freigelassen. Alles wenig erfreulich-und irgendwie wartet man auf eine indische Alice Schwarzer-vielleicht bringt ja die jetzige Protestbewegung eine charismatische Person hervor, die dann wirklich etwas verändern kann. 
X-Mas Wichtel

Parallel dazu-und das ist schon wirklich paradox-versucht man hier als deutscher "sein" Weihnachten und die Vorweihnachtszeit so orginal wie möglich für die Familie zu organisieren. Dazu gehören Nikolaus, Weihnachtsmarkt, Tannenbaum und natürlich das Krippenspiel zu Heiligabend im deutschen Gottesdienst. 

Maria und Josef bestens gelaunt

Krippenspiel in Delhi
Alles fühlt sich komisch an, aber für die Kinder ist es toll und hilfreich. Genau das ist das zweite Thema in den Nachrichten gewesen-ein Bericht vom Deutschen Weihnachtsmarkt mit Glühwein, Waffeln und Spätzle und die Einladung vom deutschen Botschafter zum Nikolausfest, wo der Nikolaus echt indisch via Elefant aufs Gelände kommt.
Der Videobericht ist zu finden unter 
http://tagesschau.de/videoblog/dilli_dilli/indien-weihnachten100.html
Ein kritischer Kommentar dazu meint, der Bericht sagt nichts über Indien-aber es zeigt doch ganz gut, was Deutsche in der indischen Hauptstadt so treiben und für diejenigen, die ganz viel über Indien wissen wollen,  gibt es ja auch durchaus andere Berichte und Reportagen.
Wir haben also auch alles mitgemacht-und wir sind nicht wie ungefähr die Hälfte der Ausländer über Weihnachten aus Delhi geflüchtet.   

Mein Freund der fast echte Baum-Teil 1.


 
Mein Freund....Teil 2
Teil 3

Wir flüchten erst nach Weihnachten in einen Nationalpark mitten in Indien zum Tiger suchen und anschliessend noch ein paar Tage nach Goa zum aufwärmen. Die Zeit von Mitte Dezember bis Ende Januar ist die Zeit der kalten Füsse und Wolldecken hier, da es keine Heizungen in den Häusern gibt. Letzte Woche haben wir das Wasser aus dem Pool gelassen...da ist aber auch seit Wochen schon niemand mehr drin gewesen und wir haben das Wasser nur drin gelassen, damit der Poolboy noch ein paar Wochen länger einen Job hat. Der letzte Mutige in Wasser war Frederik, der nach einer Bahn schockgefrostet aufgegeben hat und danach erstmal 2 Stunden warm duschen musste.

Allen anderen Warm-und Kaltduschern wünsche ich auf diesem Wege ein paar besinnliche Tage, nicht zuviele gute Vorsätze, ausser vielleicht dem, uns in 2013 in Delhi oder sonstwo in Indien besuchen zu kommen. Bleibt gesund und fröhlich und bis nächstes Jahr!
Weihnachten am Ende der Welt

Montag, 3. Dezember 2012

Fast schon berühmt

Importkalender

ganz langsam nähern sich die Weihnachtstage und es schon auffällig, dass man in dieser Zeit etwas mehr "deutsch" ist als in der sonstigen Zeit. Wir haben einen vernünftigen Adventskalendar für unseren nicht mehr ganz so kleinen Nachwuchs, wir haben einen vorzeigbaren Adventskranz gestern auf einem ordentlich deutschen Weihnachtsbasar im Anschluss an einen ökumenischen deutschen Adventsgottesdienst gekauft.
Ein Lichtlein
Weihnachtsbäckerei
Am ersten Advent hatten wir wie es bei uns Tradition ist die Hütte voll mit Weihnachtsplätzchenbäckern und nächstes Wochenende gehen wir auf den deutschen Weihnachtsmarkt beim deutschen Haus und seit heute läuft hier sogar zumindest im Büro ein kleiner Radiator als Heizung und Aleida schläft jetzt oft mit Socken und Pullover. Die Adventszeit kann also kommen, es ist alles vorbereitet...

Nebenbei fand am letzten Wochenende das 2.Tangofestival in Neu-Delhi statt. Wir hatten das Hobby eine ganze Weile auf Eis gelegt, aber so ein wenig gemeinsame Bewegung kann ja als Ausgleich zur Deutschtümelei zumindest nicht schaden und schwimmen verlernt man ja auch nicht (Tanzschritte aber schon-zumindest den einen oder anderen, das ist wie beim Vokabellernen-Grundwortschatz ist irgenwann vorhanden, Spezialwörter kommen und gehen). Argentinischer Tango ist ein globales Phänomen, seid ein paar Jahren Weltkulturerbe (was ist eigentlich inzwischen kein Weltkulturerbe? Ich glaube, ich könnte mal meinen Joghurt im Kühlschrank anmelden-ist wie Tango linksdrehend und hat definitiv Kultur, aber vererben würd ich ihn glaub ich nicht mehr...). Die Tango"szene" ist für eine Millionenstadt relativ klein, aber dafür sehr persönlich, mit Handschlagbegrüßung aller Beteiligten. Für das Festival wurden zwei Tanzlehrerpaare aus Chigago und Australien eingeflogen. Am Eröffnungsabend gab es einen Dresscode, den ich erstmal googlen musste-"Black Tie". Zunächst wollte ich mir meinen schwarzen Lederschlips umknoten (ja, ich hab noch einen aus den 80ern, und soll ja jetzt wieder modern sein)-ist aber verkehrt, richtig ist: Smoking mit schwarzer Fliege. Ups. Aus irgendwelchen Gründen hab ich tatsächlich einen Smoking im Schrank, aber ohne Fliege. Dann dachte ich-ok, das ist Indien, vermutlich wollten sie nur ausdrücken "festlich" und Smoking ist auch ohne Fliege festlich und definitiv argentinischer. Für Damen gabs als Dresscode "chic". Für Mareike war's also einfacher.
Der Eröffnungsball fand im Hotel Ashok statt, einer der sehr traditionellen 5***** Päläste hier. Insgesamt waren so 250 Gäste da, die Hälfte Männer, davon mit Smoking: keine 5. Davon mit Smoking und schwarzer Fliege: einer-der Bruder vom Organisator. Ansonsten war von Jeans bis Tango im FlipFlops alles zu sehen.
Wir hatten Spaß, Tangofieber hat zumindest mich wieder gepackt und wir haben dann gleich  am Wochenende noch ein paar Workshops mitgemacht. Unsere Tangolehrer haben nach dem Wochenende noch ein bisserl Indien unsicher gemacht, schaut mal unter:
http://www.youtube.com/watch?v=aXFNLX2CcKI&feature=colike -so geht das!

Hatte ich bereits erwähnt, dass ich immer noch versuche Hindi zu lernen?-mehr dazu später nochmal. Auf jeden Fall kam ich Montag in meine Klasse-und die Lehrerin sage mir, dass sie in der Zeitung einen Doppelgänger von mir gesehen hätte-oder ob ich etwa am Wochenende unterwegs war? Seite 3 in der Times of India Klatschspalte-und wir waren dabei. Fast schon berühmt (nach unserem Namen hätte der Fotograf ja auch noch fragen können....) Ich hab dann in der Euphorie auch gleich endlich? meinen Facebook Account eröffnet. Leidgeprüfter Aktionär der ersten Stunde vom "Gesichtsbuch" Laden bin ich ja schon gewesen-und da jetzt Facebook jeden Tag in der Zeitung steht und alles veröffentlich muss und jetzt auch schon fast berühmt bin, dacht ich mir es wird Zeit, etwas für die Entwicklung des Kurses zu tun. Schaut Euch mal die Entwicklung der FB Aktie seit meiner Accountöffnung letzte Woche an: +15%. Fragen?

Und für alle die innerhalb von 3 Jahren ihr Vermögen schnell mal verdreifachen wollen, hab ich auch nocheinen heissen Gratistip: Setzt auf Hillary Clinton als nächste Demokratische Präsidentschaftskandidatin-Buchmacher zahlen aktuell noch das dreifache des Einsatzes bei Gewinn. Todsichere Sache- mit den Skandalen sind die Clintons durch, Bill weiss wie es geht und Hillary hat 3 Jahre Zeit, das zu organisieren, die Kinder sind aus dem Haus.

Montag, 19. November 2012

High Noon im Farmland

Lakshmi und Ganesha
unsere letzten Besucher in diesem Jahr sind gerade wieder gefahren, der Smog ist im wesentlichen noch da-andersrum wär's schöner. Wir haben die letzten Tage aber noch einige Highlights gesehen-manchmal kann man einfach nur noch staunen. Also zunächst mal Diwali. Diwali ist das höchste Familienfest für die Hindus, einige vergleichen Diwali mit Weihnachten andere mit Silvester-richtig ist: es gibt Geschenke und Geld für Kunden, Familie oder Mitarbeiter. Es gibt überall Festbeleuchtung in allen Farben, die Familie kommt zusammen (sofern man nicht sowieso schon unter einem Dach lebt) und nachts gibts Feuerwerk, das die Schwarte kracht.
Wir hatten eine Einladung zu einer indischen Nachbarsfarmfamilie, die ihr Tore öffneten, um uns ihr "Diwali" zu zeigen. Das begann Freitags mit einem "Spieleabend"=>indisches Pokern um etwas Geld. Spielregeln und Chips wie beim Pokern, allerdings erheblich vereinfacht, da es nur 3 Karten gibt. Das ist easy-versteht jeder. Trotzdem hat nur Frederik hat als einziger von uns ca.300 Rupies gewonnen und war stolz wie Oskar. Mareike und ich haben etwas Lehrgeld bezahlt.
Gespielt wurde in einer Damen und einer Herrenrunde, jeweils 9 Personen. Das gehört schon zu den Diwali Festivitäten dazu, gepokert wird also nur einmal im Jahr. Zumindest in der Familie...Hintergrund ist an dem Tag die Ehrung der für den Wohlstand und Glück zuständigen Göttin Lakshmi. Wie bei indischen Feiern üblich, kommt erst der Smalltalk mit Getränken und Snacks. Dann das Spielen und um 23 Uhr gibts dann Dinner-und anschliessend soll man dann gefälligst nach Hause gehen. Der Ablauf hat so seine Vorteile für die Planung von kleinen Empfängen, und es war auch nach dem Essen tatsächlich innerhalb von 20 Minuten Schluss. Der Deutsche an sich hat ja die Angewohnheit es dann noch "gemütlich" bis spät in die Nacht ausklingen zu lassen-wir haben uns der Aufbruchstimmung dann aber letzendlich doch nicht entziehen können-schliesslich wollten wir Diwali ja nochmal wiederkommen...
Haben wir dann auch gemacht.
Diwali ist in Bezug auf die Geschichte dahinter nicht so klar wie die Weihnachtsgeschichte und es wird auch nicht in ganz Indien gefeiert. Aber die hübscheste Story ist die, dass ein für 14 Jahre verbannter König/Gott nach seinem Sieg gegen das Böse (auf Sri Lanka) und die Befreiung seiner geliebten Frau 14 Tage später wieder indischen Boden betreten hat, und die glücklichen Untertanen zu diesem Anlass die Küste und das Land für den König beleuchteten. Diwali wird daher auch das Lichterfest genannt und beeinhaltet auch die Himmelsbeleuchtung mit Feuerwerk. Diwali ist für viele Firmen wegen der Beziehung zum Glück und Wohlstand auch die Zeit in der fürs ganze Jahr die Kleidung und die Küchengegenstände gekauft werden. Bei den indischen Großfamilien war das die Methode, um einen einigermassen Überblick über die Ausgaben zu behalten und alle gleich und gerecht zu behandeln. Im modernen Indien führt das regelmäßig zu Konflikten zwischen den jungen "Ganzjahreseinkäufern" und den älteren "gekauft wird Diwali" Mitgliedern der Familien. Wir durften bei unserer Gastfamilien die Hausandacht (Puja) verfolgen, bei dem ein lokaler Priester die Familie, Firmenbücher, Laptops, Handys und Gäste (in dieser Reihenfolge) einsegnet.

Holy Laptop
 Bei der Gelegenheit wird das Haus eingeräuchert, Lakshmis 108 Namen werden runtergebetet, Geld und Süssigkeiten auf dem Hausaltar dargebracht und zum Schluss gibts ein Bindi auf die Stirn, das ist das "dritte Auge" für die Weisheit.
Anschliessend gibts das Dinner und dann das Feuerwerk, Alkohol gibt es an Diwali nicht. Da wir dieses Jahr kein "richtiges" Silvester haben werden, hab ich dann entsprechend Diwali mitgeknallt. Freundlicherweise gab es für ein Rupien eine 240 Schuss Rakatenbatterie. Sehr praktisch-einmal anzünden, 5 Minuten Spass und 5 Stunden Rauch und Smog in der Luft. Aber eeeiiinmmaal kann man ja ne Ausnahme machen....
Bumm
Ansonsten sind Konflikte und Nachbarschaft sind noch ein trauriges Sonderthema. Auf einer anderen Nachbarfarm, ca. einen Kilometer entfernt von unserer Farm gab es eine Blutbad in einer Sikh Familie, bei der ein ein Streit zwischen zwei  Brüdern um die Eigentümerschaft des Farmhauses zu einem Schusswechsel führte. Der jüngere Bruder hat gerichtlich das Haus zugesprochen bekommen, worauf am Samstag der ältere Bruder bewaffnet mit 40 Personen auf das Gelände eindrang um den jüngeren Bruder vom Gelände zu vertreiben. Dieser eröffnete mit seinen Sicherheitsleuten das Feuer, beide Brüdern starben im Kugelhagel an ihren schweren Schutzverletzungen, in einem der Brüder wurden nach ersten Meldungen18 Kugeln gefunden.
Einer der beiden war der Vater eines Klassenkameraden von Frederik, daher wird das Ereignis auch an der amerikanischen Schule thematisiert. Beide der ältere Bruder hatten ein millardenschweres Alkohol Retail Unternehmen aufgezogen, die Familie besitzt diverse Einkaufszentren, umso unverständlicher ein Streit um ein einfaches Farmhaus...
Die Gazetten reissen sich um das Thema, wie in Indien üblich wird sofort jedes Detail aus den Polizeiberichten und jede Spekulation veröffentlicht-mit kompletten Namen, Anschriften und so weiter. Um es für die Leser verständlicher zu machen werden auch immer bei solchen Dingen "Comics" erstellt. Skuril, und etwas makaber das Thema auf diese Art zu verfolgen, denn es bleibt am Ende eine Familientragödie, bei der mindestens auch ein Sicherheitsmann starb.

PS: Bilder diesmal aus dem Internet, während der Familienzeremonie, wollten wir nicht mit der Kamera stören...

Dienstag, 6. November 2012

Hüstel

Blick vom India Gate auf den Regierungssitz (Rashtrapati Bavan)

und wie sie sehen, sehen sie nichts. Pünklich zum Besuch meiner Kollegin bei uns ist letzte Woche doch noch eine vierte Jahreszeit in Delhi eingekehrt-die Nebel und Smogzeit. Wir hatten Berichte über die schlechte Luft in Delhi bisher konsequent als Märchen disqualifiziert und stolz darauf verwiesen, dass ja Delhi zum Beispiel alle öffentlichen Verkehrsmittel, also selbst die ältesten Busse, Tuk-Tuks zwangsweise zu Gasantrieben verpflichtet hat und daher die Luft hier relativ gut ist. Hatte ich schon meine letzte wichtige statistische  Erkenntnis zur Verkehrslage gebloggt? Wenn nicht-hier ist die Zahl: In Delhi gibt es 6,5Mio.gemeldete Fahrzeuge. Das ist viel. Sehr sehr viel-ein schöner Markt für Reifen (26Mio!)-allerdings müsste man dann auch wissen, wie man sie hier verkauft und da wirds etwas komplizierter. Egal-wohl eher nicht mein Problem.... Seid einer guten Woche haben wir also jetzt eine richtig schöne Suppe. Alles schimpft auf den Strassenverkehr (mal wieder, aber diesmal wegen des Smog), richtig ist aber auch, das Delhi gerade von einer "inversiven Wetterlage" eingekesselt ist, bei der sich mal aber auch gar nichts hin oder her bewegt. Aus dem Norden, dem Punjab werden großflächig die Felder abgefackelt und vom Süden begrenzt ein stabiles Tiefdruckgebiet jegliche Idee von Wind.
Blick aus dem All, oben links die Feuer aus dem Punjab (rote Punkte)

Die Betten in den Krankenhäusern, die sich gerade von den zahlreichen Dengue Fieberfällen erholen haben, haben es nun mit den Atemwegen zu tun und bei mir kratzt es auch schon im Hals. Aber ich sortier das mal eher als Smoggrippe ein, kein Grund zur Panik, habe ja mal ein paar Jahre mit einem Raucher in einer WG gelebt, daher kenn ich das Gefühl noch.
Nächste Woche ist hier das große Lichterfest-Diwali. Da knallen dann die Leute nochmal tonnenweise Raketen und Feuerwerk in die Luft, das hilft bestimmt bei der Vertreibung von Dämonen, bei der Vertreibung vom Smog vermutlich eher nicht.
Frederik ist aus seinem Camp im smogfreien Rischikesch wieder gut angekommen. Bären haben sie keine gesehen, dafür aber einen Mitschüler, der in Eselsch...schön ausgerutscht ist und irgendwie war das wohl ein prima Erlebnis für alle. Frederik hat ansonsten ein gutes Schulquartal abgeliefert, Aleida hatte einen eher durchwachsenen Start in Klasse 5, aber wir kennen die Umstellung von Grundschule auf Gymnasium/Mittelstufe schon von Frederik, da muss noch etwas mit angeschoben werden...

Während ich das hier tippe, hat übrigens gerade Obama seine zweite Amtszeit gewonnen-Glückwunsch!! Wie heisst doch noch gleich seit 8 Jahren (!) der Regierungschef von Indien? Falls das im Trubel bisher untergegangen ist-es ist Manmohan (am besten merken mit Mann-o-mann) Singh. Falls er euch mal über den Weg läuft, am besten zu erkennen am blauen Turban. Und woher kommt der Kollege mit dem enormen Durchblich noch gleich? Genau- aus dem Punjab. So schliesst sich der Kreis. Und dieser Post auch. 
Manmohan Singh

Montag, 22. Oktober 2012

Festivitäten


und damit meine ich jetzt mal nicht die Tatsache, das wir nächste Woche wieder Übernachtungsgäste haben. Ich meine damit auch nicht, dass Mareike in 14 Tagen Geburtstag hat und die Wunschliste noch etwas dünn aussieht. (Naja, wenn man alles hat-Gesundheit, eine Familie, die nicht schreiend davonläuft wenn man zur Tür reinkommt, ausreichende finanzielle Mittel, um die Banken zu füttern, denen das Haus gehört-dann braucht man ja auch nicht mehr allzuviel).

Nein-nach der Sommer-und der Monsunpause ist jetzt Tempelzeit angesagt. Zumindest bei den Indern. Ein schlauer Mensch hat mal gesagt, die Zahl der Inder ist vor allem deswegen so groß, weil schliesslich die Heerscharen an Göttern gehuldigt werden müssen. Würde sich das wie in Deutschland so im wesentlichen auf 2-3 Götter verteilen, hätten diese vermutlich zeitnah einen richtig fetten Burnout und müssten auf der Akropolis  in Kur gehen.
Insofern hat das schon sein Gutes, das hier jeder so seinen Spezialgott hat. Es gibt auch keine Ablasstechnische Einzugsermächtigung namens Kirchensteuer wie bei uns, sondern das Geld wird bitteschön direkt vor Ort abgeliefert-cash. Insofern sind die Tempelanlagen auch gut gefüllt in mancherlei Hinsicht.

Also am Mittwoch ist Dussehra, der Sieg des Guten über das Böse. (Gott Rama vs. Ravanna, Dortmund vs.Schalke, Hannover vs.Braunschweig, Juist vs. Norderney. Oder war's umgekehrt) und Dussehra ist der Höhepunkt bzw.Abschluss einer mehr oder weniger starken 10-tägigen Fastenzeit. In Realindien beschränkt sich das Fasten eher auf etwas weniger essen als normal und natürlich auf die Tempelgänge.

Sooo unterschiedlich ist das ja bei uns ehrlich gesagt ja auch nicht-wir haben Erntedankfest, die Allerheiligen, dann Advent, Weihnachten, Neujahr...und das Ganze dann so um Ostern und Pfingsten nocheinmal mit einer Fastenzeit vorneweg-und wenn man dann Indern unseren Hintergrund erzählt (Jungfrauengeburt, Kreuzigung, Heiliger Geist, ) merkt man erst, das wir bei uns auch schon ein paar echt hanebüchene Geschichten dabeihaben.

Im Rahmen dieser Feierlichkeiten gibt es auch diverse Melas, das sind kleine Verkaufs-und Informationsmessen für ein paar Tage, mit einem begleitenden Kulturprogramm. Wir hatten eine Einladung für eine Tanzvorführung von Jugendlichen in einer eher bengalischen Gemeinde. Klasse getanzt mit einem Mix aus Bollywood, Bauchtanz und Folklore. Da steckten jede Menge Wochenenden Tanzarbeit drin-wow.



WOW ist auch das Motto der ersten Klassenfahrt von Frederik. Es geht nach Norden in die Berge nach Rischikesh, eine traumhafte Umgebung mit Wildwasser, Bergen und hoffentlich vielen Erlebnissen, mit nur sehr wenigen Bären oder Tigern.

Und wo ich gerade bei gefährlichen Unternehmungen bin, bin ich auch schon mal wieder beim indischen Strassenverkehr. Und auch wieder bei einer kleinen Frage zum Bild.

Dieses Bild wurde aufgenommen:
a:bei einem indischen LKW Schrotthändler (Reifen sind noch zu verkaufen)
b:auf einer normalen Autobahn vor einer Mautstelle (LKW fährt)
c:LKW Crashtest (Querschnittsversuch, Nachherbild, Tester prüft Funktionen)
d:Indisches Wetten dass.... (Wette wurde verloren). Dafür musste der LKW umgebaut werden.

Antworten wieder gerne als Kommentar, verbunden mit einer Spende an den Hl.Christopherus.