Abenteuer Indien

Begleitet uns auf unserem kleinen Indien Abenteuer. Seht was wir sehen; fühlt, was wir fühlen; lacht, über was wir lachen. Schön das ihr dabei seid!

Samstag, 6. April 2013

Rückblick



Vielleicht ist es ja dem einen oder anderen bereits aufgefallen-wir sind jetzt ziemlich genau ein ganzes Jahr weg. Das ist ja vielleicht auch mal Zeit, für eine willkürliche Zusammenfassung einiger Highlights des ersten Jahres...

Lasst Zahlen sprechen::

9997
Anzahl der Aufrufe dieses Blogs:  (im Moment, wo Du das hier liest, hast du wahrscheinlich gerade die 10.000er Grenze geknackt)
!Danke, an alle, die mein Zeug hier regelmäßig oder unregelmäßig lesen und/oder auch mal Kommentare hinterlassen. Kommentare sind das Brot des Bloggers-also weiter so!

1204
Anzahl meiner aktiven Vokabeln in Hindi (Indisch). In meinem Hindikurs nennen Sie mich das Lexikon-aber glaubt, mir-dahinter steckt jede Menge Arbeit! Wer einige meiner all-time Favorits mitlernen möchte, hier ein kleiner Auszug:
einfache Vokabeln sind z.B.: naam=Name, aaht=acht, koona=Ecke(vgl.corner/englisch) oder furusat=Freizeit und neeij=nein.
schwierige Vokabeln sind z.B. atischbasi=Feuerwerk oder vishwavidyala=university und eigentlich alle anderen.
Ausserdem haben alle Hauptwörter ein Geschlecht-weiblich oder männlich (wie bei uns "der" und "die", nur "das" gibt es bei Hindi nicht)-z.B.sind alle Sprachen weiblich (keine Überraschung).
Diebe, Verletzungen, Geld und Wahrheit sind männlich-auch nachvollziehbar.
Aber: Autos sind-weiblich? Telephon und Klamotten-männlich? Schwierige Sprache.
Zum flüssigen Reden und verstehen reicht das für mich aber definitv noch nicht. Um mit den Rikschafahrern um die Tarife zu steiten schon fast. Und um ein Bier zu bestellen auf jeden Fall. Namaste-schönen Tag!



33
Anzahl gespielte Golfrunden (Beste Runde:83 Schläge, Schlechteste 104)
Eigentlich war ja ein Ziel von mir, während am Ende meines "Urlaubs" deutlich besser zu spielen als vorher-aber Golf ist das Spiel der Demut-und eigentlich bin ich auch so schon manchmal ganz zufrieden mit dem, was ich so an Schlägen produziere daher ist meine

0
Verbesserung meines Golf Handicaps (18) bisher auch sehr ok!

 
3
Manager in Indien, die innerhalb des ersten Jahres bei der Reifenfirma ausgetauscht oder in Rente geschickt wurden.

Wer mit Mareike zu tun hat-am besten schonmal die Rettungsweste anziehen...

908
unterschiedliche Yoga Figuren gibt es offiziell. Die meisten haben wir gemeinsam mit unserem Yoga Lehrer Shesh bereits mal ausprobiert. Alle habe schöne Namen, die man auswendig lernen kann-aber in Sanskrit, der Yogasprache sind die Namen sind noch schwieriger zu merken, als in Hindi. Also konzentrieren wir uns auf Tier und Pflanzenyoga-die Palme, Kobra, den Sonnengruß und natürlich das Kamel und den Grasshüpfer. Rückenprobleme haben wir jetzt freundlicherweise keine mehr und ich kann wieder meinen großen Zeh mit der Hand berühren und umfassen.
Shesh's und unser Motto: Don't torture (folter) yourself...das klappt dann aber auch nur teilweise


Family&Yoga Friends

44
Jahre bin ich letzte Woche geworden. Langsam ein Grund, mal seriös zu werden, hab ich auch direkt mit angefangen.

Ach so-und danke für die zahlreichen Glückwünsche an alle, denen ich noch nicht persönlich antworten konnte!!

1-
ist die schlechteste Note, die Frederik in seinem letzten Zeugnis mitgebracht hat. Man sieht den Unterschied, den es ausmacht ein Kind auf eine Schule zu schicken, die begeisternde Lehrer und neueste Technologien sinnvoll flächendeckend einsetzt (Ipad für alle) um fächerübergreifende Ziele zu erreichen. Frederik spricht nach 9 Monaten Schule fliessend und fast auf Muttersprachen Niveau englisch. Hut ab.

10
Versuche haben wir gebraucht, dann war es geschafft! Wir haben einen Tiger im Natura gesehen. In Wirklichkeit! Letzte Woche haben wir es gemeinsam mit unserem Großbesuch (Wir sind ja nicht zum Spaß hier....) im Corbett Nationalpark versucht. Und siehe da-bei unserer 4. Safari dort starrte eines dieser bisherigen Fabelwesen uns direkt aus dem Gebüsch an. davon gibts kein Bild, weil Mareike und ich hypnotisiert waren. Ein unglaublich tolles Ereignis. Fast besser als die Flugtiger.


Vorsicht, Wildwechsel


So sehn' Tiger aus

7 Mitarbeiter
habe ich auf der Farm mehr-als Mareike in der Firma. Bisher musste ich erst eine Kündigung aussprechen und hatte 3 Neueinstellungen, aktuell gehts um Gehaltsforderungen, aber zum Glück sind meine Leute nicht so wirklich gewerkschaftlich organisiert. Sie bekommen aber trotzdem einen ordentlichen Schluck aus der Pulle...

Unsere Nachtwache....

50
Kilo Chlor sind in unserem Pool gelandet, ausserdem ungefähr 2000 Liter Salzsäure. Klingt viel. Ist es auch.

39
Grad
ist die höchste gemessene Innentemperatur in unserer Farm gewesen.
11
Grad die niedrigste (Heizung ist ja hier nicht so wirklich vorhanden)-Mitte Januar.

Alles Zahlen sind natürlich ohne Gewähr und ich habe mich vorm Bloggen vom ordnungsgemäßen Zustand allder Zahlen überzeugt. Glückwunsch bei der Gelegenheit an alle Fast-Millionäre in Deutschland, ich habe so eine Idee, wo das Ziehungsgerät günstig hergestellt worden ist.

Bis demnächst&Schöne Grüße von unserer Poolbar!








Samstag, 23. März 2013

Holi


aktuell ist ja Frühling in Deutschland, oder wie heisst diese Jahreszeit mit dem ganzen weissen Zeug, lahmgelegten Flughäfen und Temperaturen um die 0 Grad?
Ein weiteres untrügliches Kennzeichen für den Frühling sind Eisblumen und die Ostereier, die im Hause Winkelmann anders als viele glauben kein Hase sondern die sogenannten Flugrobben bringen. Aber das ist eine andere Geschichte....
Nun ja-Ostereier und Farben sind vielleicht ein fast perfekter Übergang zu dem indischen Farbenfest, das hier gerade vor der Tür bzw.schon mitten im Haus steht. Nach dem Lichterfest im Oktober/November ist Holi das Frühlingsfest und hierbei dreht sich alles um Farben und Anarchie.


Es gibt eigentlich in indischen Filmen (wer noch keinen gesehen hat-schnellstens nachholen!Gandhi von 1980 zählt nicht) immer irgendwann eine Holi Szene.
Meistens stolpert dabei ein unbedarfter Ausländer durch irgendeine Stadt oder ein Dorf und wird plötzlich mit Wasserbomben und Farbbeuteln eingedeckt. So ähnlich wie damals Joschka Fischer auf dem Grünen Parteitag (die älteren werden sich erinnern). Nur flächendeckender und mit noch weitergehender Akzeptanz der Bevölkerung.

Ähnlich der Kravattenregel beim deutschen Altweiberfest, sollte man Holi am besten mit seinen ältesten Klamotten spazieren gehen oder noch besser- überhaupt nicht. Ansonsten lauern hinter jeder Ecke mit Wasser gefüllte Pumpguns, Pistolen und Spritzen bereit, das hierarchische Kastensystem mal für ein paar Stunden Kastensystem sein zu lassen und sich gegenseitig nass und bunt zu machen.


Nach der Schlacht

Frisch geduscht

Gelbfieber in Delhi

Holi Unkraut im Garten
Die amerikanische Schule (AES) in Delhi macht aus der Not eine Tugend und organisiert ein "sicheres" Holi Fest hinter geschlossenen Mauern. Vorteil hierbei-man ist vorbereitet-alle Farben stammen aus garantiert biologisch abbaubaren Materialien (Indigo für Blau, Rote-Bete für Rot, Safran/Kurkuma für Gelb etc.) und es gibt keine der bei Holi leider auch vorkommenden überschwenglichen Exksesse. In jedem Garten findet man rund um Delhi ein etwas ungewöhnliche aussehendes "Unkraut", dass bei Trockung und Genuss zu rauschartigen Zuständen führt-dieses Kraut mixen sich die Inder gerne ins Essen oder in den Tee, bevor sie sich ins Holi Getümmel stürzen.

Eigentlich ist Holi dieses Jahr erst am 27.März, aber da dann Schulferien sind, hat die AES schonmal einen Nachmittag vorgefeiert&wir sind ja hier sowieso maximal flexibel. Apropos flexibel: Die Farm wird jetzt in den nächsten 2 Wochen mal einen kleinen Belastungstest haben. 2 Familien kommen uns besuchen-insgesamt sind wir dann 12 statt 4 Personen in unserer bescheidenen Hütte und wir werden uns etwas stapeln. Mehr dazu in Kürze....

Samstag, 23. Februar 2013

7 Städte zum Preis von einer


Nizamuddin mit seinem Lieblingsjünger
Für viele Indientouristen ist Delhi eine Durchgangstation. Entweder man beginnt hier den Indien Urlaub, weil hier nunmal die Flugzeuge landen. Oder man beendet den Urlaub, weil von hier die Flieger wieder gen Heimat fliegen. Oder beides.

Eigentlich bietet Delhi aber deutlich mehr, also nur den Ankunfts-und Abflugsort. Um es genau zu sagen bietet Delhi soviel Stoff, dass man hier eigentlich seinen Jahresurlaub verbringen müsste und man hat vermutlich immer noch nicht alles gesehen.

Was ist hier also so toll? Das Geheimnis sind die 7 Städte Delhis. Seit über 800 Jahren hat jeder Eroberer oder Kolonialherr wenn schon nicht das Rad, dann aber zumindest die Stadt neu erfunden. Die letzten "Erfinder" waren 1847 die Engländer die als erste Amtshandlung-na was wohl? Richtig-eine neue Stadt bzw.einen neuen Stadtkern geplant haben. Daraus wurde dann Neu-Delhi.
Leider wurden die Bauarbeiten im Berlin-Schönebergischen Stil leicht verzögert, so dass man eigentlich erst nach dem 2.Weltkrieg also fast 100 Jahre später mit Neu-Delhi fertig war.
Allerdings waren die Engländer zu dem Zeitpunkt dann auch fertig mit der indischen Kolonie und so haben die Inder einen vorzeigbaren neuen Stadtkern mit dem beeindruckenden India Gate,  Parlament, Regierungssitz etc.

Ähnlich wie die Engländer haben es alle anderen Invasoren und Dynastien auch gehandhabt. Und so stehen zum Teil gut versteckt im ganzen Stadtgebiet Reste und Ruinen, alte Moscheen oder ausgebaute Brunnenanlagen und Stadtmauern verteilt. Zum Beispiel hat es Anfang des 14.Jahrhunderts-so irgendwann zwischen dem 4.und 5.Kreuzzug in Europa ein gewisser Sultan Tuglaq in Delhi geschafft, in nur 4 Jahren Bauzeit eine neue Stadt mit einer großen Befestigungsanlage, Palast, Geheimgängen und allem drum und dran zu errichten, was man für eine Stadt so braucht-bescheiden wie er war, hat er diese Stadt dann Tuglaqabad genannt.
Leider hatte allerdings parallel zu der Zeit ein Ortsheiliger namens Nizzamuddin ein kleines Bauprojekt eines Brunnens fürs einfache Volk gestartet. Sultan Tuglaq verbot es den Arbeitern dort zu helfen, damit seine Stadt rechtzeitig fertig wurde-die gingen dann aber trotzdem nachts dorthin um den Brunnen zu bauen. Darauf verbot Tuglaq den Arbeitern bei Todesstrafe Lampenöl zu benutzen, um die Nachtarbeiten zu verhindern. Nizzamuddin wäre aber ein schlechter Heiliger,wenn er nicht wie durch ein Wunder (und kräftig Mondlicht) die Arbeiten am Brunnen trotzdem fertigstellen konnte. Nizamuddin verwünschte anschliessend Tuglaqabad-die Stadt sollte nur von "Schäfern bewohnt werden und ansonsten verwildern". Beides traf ein-Tuglaqabads Brunnen versiegten, die Stadt war zwar fertig aber unbewohnbar und seit 800 Jahren weiden dort Schäfer ihre Herden. Nizamuddins Brunnen ist seit 800 Jahren nie versiegt. Unglaublich aber wahr? Beides Stellen kann man noch heute problemlos besichtigen-Tugalquabad ist eine riesige zerschlagene Festung, Nizamuddin ein vibrierender aktiver Stadteil mit gefülltem begehbaren Brunnen.
Tuglaquabad war Delhi 3.Stadt-und diese Geschichte nur eine Episode aus dieser Zeit. So hat jeder Neubau Spuren und Geschichten hinterlassen. 
Olaf mit seinem Lieblingsteam: Gen, Heba und Coca
Warum ich das hier erzähle? Na ja, seid ein paar Wochen bin ich in Delhi bei dem Projekt "7 Cities" dabei. Bei dem Projekt erarbeiten 30 Leute in Gruppen zu dritt oder zu viert jeden Mittwoch eine Ortsbesichtigung an diesen historischen Orten, wühlen die Geschichten auf und erzählen sie den anderen. Insgesamt 10 Touren-und jede Gruppe muss einen Termin vorbereiten. Jede Gruppe setzt unterschiedliche Schwerpunkte-der Streit zwischen Nizamuddin und Tuglaq wurde vor Ort in den Ruinen Tuglaqabads schauspielerisch dargestellt, zum Teil werden noch heute berühmte Gedichte rezitiert oder die Musik vorgeführt. Und anschliessend gibts lecker Essen....Das Ganze läuft 10 Wochen und so sehe ich auch als inzwischen alter Delhi "hase" immer wieder neue Ecken der Stadt und höre immer neue Geschichten.

Tuglaq in seiner verwunschenen Stadt
Wer will schon zum Taj Mahal, wenn man Nizamuddin erleben kann....

Welcome to beautiful Delhi!





Dienstag, 5. Februar 2013

Elefanten Polo oder Aaaryuveda

meine Lieblingsfrau hat zum Christfest eine Wochenendfahrt nach Jaipur zum Elephantenpolo geschenkt bekommen. Die Familie musste allerdings mit...etwas Wasser giessen wir ja gerne in den Wein. In Jaipur waren wir im September das letzte Mal, da war es in der Mittagssonne deutlich zu warm um alte Gemäuer zu besichtigen, das haben wir dann also nachgeholt, insofern war neben dem Ritt hoch zu Fant auch noch etwas Kultur pur angesagt.
Mannschaftsaufstellung
Elephantenpolo ist so ein bisschen wie Eishockey in Superzeitlupe mit schöner Aussicht. Elefanten rennen nur selten und wenn man auf ihnen sitzt, besser gar nicht. Im Team sind jeweils 2 Elefanten mit Spielern obendrauf und ein Schirifant, deren Aufsitzer primär für den Balleinwurf verantwortlich ist.

Aller Aufstieg ist schwer


Hoch zu Fant
Ähnlich wie die Pferde beim normalen Polo sind die Elefanten eher von der kleineren Sorte und besonderes auf diese Bewegung zum Ball eingestellt. Man kann also keine handelsüblichen Elefanten nehmen, um das zu Hause nachzustellen-vermutlich fehlt im Reihenhausgarten sowieso auch meistens der Platz.
Polostick geteilt durch 3= Aleida

Die Schlagstöcke sind relativ lang und ziemlich unhandlich-vor allem, wenn der Ball von der einen Elefantenseite auf die andere rollt und man schnell die Seite wechseln muss, ohne dabei den Mahout oder die Mitspieler abzusensen. 
Aktueller Spielstand
Wenn die Elefanten erst mal in eine Richtung unterwegs, ist es schwierig den Rückwärtsgang einzulegen. Wenn der Ball richtig liegt-also vorm Elefanten, ist es dem Großohr auch erlaubt den Ball einfach mit dem Fuss zu kicken um sich den Umstand mit dem Stock zu sparen. Leider gibt es für den Ball ein gewisses Restrisiko, dabei signifikant die Puste zu verlieren bzw.sich mit einem kleinen "Puff" in den Poloballhimmel zu verabschieden.
Aus dem Hintergrund könnte Rahn schiessen...Tooooor

Im Anschluss bedankt man sich noch schön bei den Elefanten, in dem man ihre Bemalung auffrischt und dann mal in aller Ruhe echte Elefantenhaut befühlen kann und sich bezüglich der eigenen vertrockneten Haut auf einmal deutlich weniger Sorgen macht. Nivea für Elefanten wäre eine gewisse Marktlücke-wo sind die Marketingstrategen, wenn man sie mal braucht?
Paintfant
Historisch wurde Elephantenpolo in der späten Moghulzeit von gelangweilten Haremsdamen erfunden, woran man wieder sieht, das man bei zuviel Zeit ohne sinnvolle Tätigkeiten auf allerlei überflüssige Ideen kommen kann.
Interessierter Zuschauer
Wenn man nach so einem anstrengenden Sporttag ins Hotel kommt, ist doch eine entspannte Ayurveda Behandlung (=>Wellnessmassage) genau das Richtige. Mareike hatte auch eine sanfte Inderin erwischt-meinen Teil übernahm Bruce. Ich nenn ihn mal Bruce, weil es gleich diverse Namensverwandschaften gibt wie z.B.Bruce Lee (Tigerkralle 1-10)oder Bruce Willis (Die Hard 1-4) oder auch Pierre Bruce (Indianer kennen keinen Schmerz). In meinem Wochenendkurs "Massagen für den Heimgebrauch" habe ich als Regel Nr.1 gelernt-nie die Knochen oder auf der Wirbelsäule massieren. Das hat Bruce anders gelernt. Bruce war auch der Meinung, ein 360Grad verdrehen des Fussgelenks wäre für meine zukünftigen Yogaambitionen irgendwie hilfreich. Und hatte ich schon erwähnt, dass meine Fusssohlen generell sehr sehr empfindlich und nicht wirklich für Akkupressur geeignet sind? Zunächst wurden aber erstmal die Zehengelenke schön auseinander gezogen, mit viel Schwung. Ich konnte hören, wie die einzelnen Gelenke sich einmal nach oben verabschiedeten um dann wieder zusammen zu klacken. Ich kenne das Gefühl noch, weil ich mir beim Volleyball mal einen abgeschossenen und ausgerenkten Finger wieder selbst auf die richtige Stelle gesetzt hab, so wie ich das vorher mal beim 96er Torwart im Stadion gesehen hatte. Wenigstens habe ich dann noch noch erfahren, wozu eigentlich die ganze Zeit der Waschlappen im kochenden Wasser lag.Was heisst "aufhören-zu heiss!" eigentlich auf Hindi?
Schienbeine wurden auch massiert-eine interessante Premiere, aber inzwischen hatte ich mich auch schon auf den kontinuierlichen Schmerz eingerichtet. Bruce lächelte mich zum Abschluss an. Bruce hat's gefallen.

Sonntag, 20. Januar 2013

Boa Goa

In Indien ist es heiss-im Sommer. Sehr sehr heiss. Im Winter ist es kalt. Sehr kalt-vor allem wegen der nicht vorhandenen Heizungen. Im Monsun ist es nass. Sehr nass. Und in Goa ist es schön. Sehr schön-das ganze Jahr über, aber ganz besonders, wenn es überall sonst kalt ist.
 Das wussten auch schon die Portugiesen, die in Zeiten, als Portugal mehr war also nur unser Lieblingsgegner bei Fussballturnieren, in den Weltmeeren herumgesegelt sind, um das Ansehen des Christentums zu mehren und bei der Gelegenheit sich auch kräftig die Taschen mit Gold oder ähnlichen Werten zu füllen.
Anders als sein anderer Kumpel von der iberischen Halbinsel, der ja leider in die falsche Richtung gesegelt ist um Indien zu finden und bei der Gelegenheit entdeckt hat, dass andere Länder auch hübsche Inseln haben ist Vasco del Garma in Goa gelandet, hat die portugisische Fahne in den Sand gesteckt und Goa war entdeckt.
Goa entdeckt!

Also Herr Garma dann auch noch rausfand, dass der indische Ozean ungefähr doppelt so warm ist wie der Atlantik an seiner geliebten Algarveküste ist er gleich mal dageblieben, hat den Indern das Christentum 2.0 verbreitet und einige hübsche Kirchen gebaut. Goa ist seitdem die größte christliche Enklave in Indien und gleichzeitig eine der attraktivsten Aussteigerecken für Künstler, Millionäre oder Lebenssinn Suchende.

Wir sind ja eigentlich nur zum aufwärmen und ausschlafen gekommen. Die gute Nachricht dabei: wir haben in Goa genauso viele Tiger gesehen wie im Nationalpark! Also vermutlich verzichten wir beim nächsten Mal auf die Safaris und gehen direkt zum gemütlichen Teil über. Lufttemperatur 34 Grad, Wasser 28 Grad. Aktivitätenindex 1 von 10. Unser Hotel war so 5-10 Laufminuten vom Strand entfernt. Das kennen wir ja auch alles von meiner Heimatinsel: Morgens irgendwie aufstehen, Strandsachen packen, auf zum Strand und um 17 Uhr wieder zurück. Sonnenbrände abkühlen, Abendessen und ins Bett fallen wie ein Schwerarbeiter.
 Die kulturellen Highlights in Goa hebt man sich für schlechtes Wetter auf. Schlechtes Wetter gab's keins-also auch keine kulturellen Highlights für uns. Dafür gabs dann etwas "Kunst am Strand"

Kunst am Strandbau
Unser Bewegungsradius innerhalb der 5 Tage waren ca.500m+Strandspaziergänge-ein Auto haben wir auf Goa nur für die Anreise und Abreise zum Flughafen genutzt. Der Strand in Goa ist ein Traum. Kaum verschmutzt, nicht überlaufen, weder von Touristen noch Souvenierverkäufern oder Bettlern und auch der "Wassersport" (Speedski, Bananenfahren oder Paragliding) war übersichtlich oder sehr weit entfernt draussen im Meer. Die Verkäufer, die es am Strand gab, waren unaufdringlich und zum Teil sogar nützlich-wir konnten unseren DVD Vorrat um 25 brandaktuelle Filme fast garantiert raubkopiefrei für ein paar Rupien ergänzen und Aleida brauchte sowieso dringend eine neue Sonnenbrille.
 Am Strand reihten sich die Shacks-das sind die Saisonhütten für kleine Imbisse-zu jedem Shack gehören eine handvoll Liegen mit oder ohne Palmenschirm. Wir hatten "unser" Shack mit unserem Hauptquartier schnell gefunden und unsere Vermieterin verteidigte heldenhaft unsere Liege während unserer Zeit auf Goa gegen russische oder dänische Invasoren.
"Unsers"
Der Sand ist in Goa ist etwas grobkörniger und dunkler als der Nordseestrandsand aber steinfrei. Durch das größere Gewicht des Sandes gibt es auch bei heftigen Wind keine Strandpanade, daher kommt man mit einfachen Liegen gut aus und braucht keine Strandkörbe oder Zelte zum Schutz.
Der Tidenhub (Ebbe und Flut Hoch/Tief) sind vielleicht 1-2m, also fast wie an der Ostsee. Aber mit der Flut kommen auch starke Winde und damit starke Wellen und Strömungen-bei uns war das immer nachmitttags.


Beach Patrol
Da wirds dann ja für mich als alten Rettungsschwimmer interessant. Während der Saison (November-April) ist der Strand durch eine Armada von indischen Baywatchern geschützt. Das ist auch dringend notwendig-die meisten Inder, die das erste Mal in ihrem Leben Urlaub machen, können nicht schwimmen, rennen in die tollen Wellen, werden von der Unterströmung abgesogen und das wars dann. 70% aller Badeunfälle in Goa haben genau diese Ursache, die restlichen 30 Prozent werden durch osteuropäische Urlauber nachts verursacht, die alkoholbedingt temporär die Orientierung oder ihr Schwimmvermögen eingebüßt haben. Insgesamt gibt es an der gesamten Küste ca.15 Rettungen pro Tag und 1-2 Todesfälle durch ertrinken.
8 Stunden/Tag Baywatch für 150 EUR/Monat

Die Rettungsschwimmer sind ganz gut ausgestattet mit kleinen Styroporschienen als Rettungsringen und vor allem mit Trillerpfeifen (siehe auch=>deutscher Bademeister) gegen allzu mutige Schwimmexperimentatoren. Am Wellengürtel patroullieren die Rettungsschwimmer mit Jetski und Booten den Wellenstreifen und für die Landsicherung gibts auch ein paar Jeeps.

Für erfahrene und nüchterne Schwimmer wie uns, ist aber das Baden in solchen Wellen einfach nur ein Riesengenuss.
Frederik beim Abflug

Neujahrsschwimmen im Meer? Kein Problem!

Angesichts unserer gemeldeten Haus Innentemperaturen in Delhi (13 Grad) wollten wir uns dann eigentlich kollektiv für 3-4 Wochen krank melden und eine Familienkur in Goa beantragen. Aber mal wieder hat das deutsche Pflichtgefühl gesiegt und wir waren pünktlich zum Schulbeginn wieder in unserem Iglu.
Wirklich zurück?

Montag, 7. Januar 2013

Kipling Camp, oder von der Kunst, keine Tiger zu sehen

wer meint, Tiger verstehen nichts von Prozentrechnung, hat sich deutlich getäuscht. Bei jeder dritten Safari werden Tiger im Park gesichtet. Darum haben wir 6 Safaris gebucht-damit wir garantiert zwei mal Tiger sehen. Soweit der Plan.

Probleme kann es dann eigentlich nur zweierlei geben.
Erstens-wenn direkt vor unserem Urlaub eine Reisegruppe munterer Briten leider nur Zeit für 3 Safaris hat...und auf allen dreien Tiger sieht, inkllusive einem männlichen Exemplar, der dem Jeep fast auf die Haube gesprungen ist, was eigentlich sogar doppelt zählt. Wenn also die 3 Safaris der Briten und unsere 6 zusammen 9 ergeben, sieht man normalerweise 3 mal Tiger. Stimmte dann auch: Britanien 3-Deutschland 0. Statistiken lügen nicht.
Problem Nummer zwei gibts, wenn der Campmanager Charles mit an Bord ist. Charles hat in den letzten 12 Safaris und gefühlten 2 Jahren keine Tiger mehr gesehen. Das erzählt er uns natürlich erst, nachdem wir unsere Tour beendet hatten, angeblich, um uns zu trösten.

Warum Charles (ein Brite-natürlich) nicht einfach bei seinen Landsleuten mitgefahren ist, wird sein Geheimnis bleiben, ich werde hier mal keine dunklen Verschwörungstheorien zur EU Krise aufstellen und wünsche Charles auf seinem weiteren Lebensweg, bei dem wir hoffentlich keine gemeinsamen Safaris mehr fahren werden Alles Gute!

Charles auf dem Weg zur Superserie...
Wir sind ja aber flexibel und dem Wesen nach sowieso eher fröhliche Zeitgenossen und es ist ja nicht so, dass wir nichts gesehen hätten-alle möglichen Tigerarten haben wir gesehen-nur eben keine gestreiften. Wer's nicht glaubt, hier die Beweise....
Das beste Bild des Bengaltigers: er  befindet sich ca.5m hinterm 2. Baum von rechts. Perfekte Tarnung!

Nachwuchshorntiger mit Mutti

Schwarzer Horntiger -Pappi

Flugtiger (oben rechts im Baum)


Languren bei der Suche nach dem Laustiger

Wer hat den Tiger zuerst nicht gesehen?
Das unsere Safaris und der Jahreswechsel trotzdem ein tolles Erlebnis waren, verdanken wir vor allem den Kipling Camp und Tara. Das Camp wurde vor über 20 Jahren durch die Familie Wright aufgebaut. Belinda, die Tochter der Wrights ist quasi mit den Tigern im Camp aufgewachsen. Der Profit, der mit den Einnahmen aus dem Camp erzielt wird, wird fast 1:1 in Projekte zum Schutz der Tiger investiert-das ist vor allem Lobbyarbeit auf den höchsten politischen Ebenen auf der einen Seite, auf der anderen Seite viel Tagesarbeit, um in den vielen indischen Dörfern die Akzeptanz und die Mehrwerte von lebenden Tigern in der nächsten Umgebung zu erhöhen-und das alles kostet Geld. 
Rüsseltiger Tara mit Mahout beim Spielen
Und Tara - der "Camp-Elefant" stellt für Familien sicher, dass der Urlaub auf jeden Fall ein Erfolg wird, oder wo sonst hat man die Möglichkeit nicht nur im Urlaub um 5 Uhr aufzustehen, mit den Elefanten zu reiten, sondern auch zu baden und mal richtig abzuschrubben? Wo sonst schleicht nachts ein Leopard ums Camp zur Wasserstelle, und wir hätten ihn fast! erwischt.

Wenn dann noch mit viel Liebe eine kleine persönliche Silvesterfeier organisiert wird, bei dem ein echter Maharadscha mit seiner Maharani, seinem Sohn und einem Stammbaum von über 100 (!) Generationen mitfeiert ist man nicht soooo traurig, keinem Tiger direkt ins Auge geblickt zu haben. 
Silvester Tigerparty
Müssen wir eben nochmal wiederkommen. Und aufpassen, dass, Charles nicht mit in den Jeep steigt und vor uns keine Briten unsere Wahrscheinlichkeiten aufbrauchen. 
Genau-auf Wiedersehen, beim nächsten Mal mit Tigern, bitte!


Sonntag, 30. Dezember 2012

Der Tiger schläft heut nacht

Kanha Monduntergang


wir sind auf Safari. Die frühen Kolonialherren hatten nach einer Safari anschliessend einen ordentlichen Kaminvorleger, über den man dann jedes Jahr Silvester hübsch stolpern kann. Es gab viele Kolonialherren, daher gab es dann immer mehr Kaminvorleger und weniger zum jagen. Irgendwann gab es nichts mehr zum jagen, dann haben die Kolonialherren Indien verlassen. 1973 stellte man trotzdem fest, dass die Tigerpopulation dramatisch geschrumpft war-in China waren die herrlichen Tiger mittlerweile  ausgestorben-Viagra war noch nicht erfunden und der chinesische Bedarf wird seitdem illegalerweise in Indien gedeckt. Seit 1973 gibt es einige Nationalparks zum Schutz der Tiere. Auch wenn das nur in den ersten 20 Jahren richtig gut funktioniert hat, gibt es in den Parks noch eine sinnvolle Anzahl zum jagen, allerdings nur mit der Kamera. In der Mitte Indiens liegt der Kanha Nationalpark. 90 Katzen warten dort auf uns-oder auch nicht.Tiger sind Nachtaktiv bzw. Frühaufsteher-wenn man also etwas sehen möchte, ist frühes Aufstehen angesagt. Am besten klappt frühes aufstehen im Kipling Camp, seit über 20 Jahren stehen morgens um 5 Uhr Tee oder Kaffee bereit und man wir freundlich geweckt. Die Uhrzeit entspricht zu dieser Jahreszeit auch der Temperatur,daher kommen endlich auch mal lange Unterhosen,Handschuhe und Schal in Indien zum Einsatz.
Kanha, kurz vorm aufstehen...
Offenes fahren im Jeep in den Sonnenaufgang auf der Suche nach den hübschen Katzen. Die Parkführer richten sich bei der Suche nach Fussspuren im Sand vor allem aber an den Warnrufen der Vögel und Affen, bzw.Languren, um genau zu sein. Die Languren haben sogar zwei unterschiedliche Warnrufe-einen für Tiger, einen für Leoparden. Grund: Tiger können zwar toll schwimmen, Leoparde kommen dafür aber auch Bäume hoch-also ist der Warnruf bei "Leopard in Sicht" deutlich aufgeregter. Bei Fischen soll das genau andersrum sein, die Warnrufe hört man aber auch eher selten.
Wie sieht eigentlich ein Dschungel aus? Nicht so wie man denkt, eigentlich eher wie eine Mischung aus Harz und Lüneburger Heide, allerdings ohne Nadelwald, dafür mit Bambus und etwas höheren Bäume.

In der Mitte Indiens regnet es nicht viel, noch weniger als in Delhi, umso wichtiger sind die kleinen Seen und Tümpel für die Tierwelt. Wir sehen viele tolle Vögel, eine Menge Damwild und auch Wildschweine, Affen, Ochsen und ein paar indische Antilopenarten als Katzenfutter.
Alles, nur (noch) keinen Tiger...ist ok, wir sind ja insgesamt 5 Tage hier und es wäre ja auch blöd, direkt am Anfang die Highlights zu sehen, langsamer Spannungsaufbau ist auch für die Kinder besser, um sie die nächsten Morgen weiter gut aus dem Bett zu bekommen.



Das ist Charles, Charles hat seit 12 Safaris keinen Tiger gesehen, wir haben die Serie nicht beenden können...

Vokuhila Kuh mit Kalb









 
Kalt aber guter Dinge...





Waidmans Heil!