Abenteuer Indien

Begleitet uns auf unserem kleinen Indien Abenteuer. Seht was wir sehen; fühlt, was wir fühlen; lacht, über was wir lachen. Schön das ihr dabei seid!

Dienstag, 9. Oktober 2012

Taifun


Bequemer Reisen mit Winkelmann Tours
Wenn in Japan hoher Besuch kommt oder sich angemeldet hat, sprechen Leute und Mitarbeiter oft vom "Taifun",den großen Wind, den sie erwarten.
Unser Wind hat sich seit heute nacht wieder gelegt-alle Besucher haben uns vollgepackt mit Eindrücken und einigen Souvenirs wieder verlassen und wir machen jetzt eine kleine Nachbetrachtung der letzten vier Wochen.

1 Monat Besuch von den Eltern bzw.Schwiegereltern-versucht mal selbst Euch die Situation vorzustellen, nachdem ihr seid x Jahren erfolgreich auf eigenen und selbstständigen Füßen steht. Wann habt ihr das letzte Mal mehr als 3-4 Nächte mit euren Geburts-und Wachstumshelfern unter einem Dach verbracht? Wären 4 Wochen mit Euren (Schwieger) Eltern (noch) vorstellbar?
Insofern eine echte Herausforderung-vor allem mental und in der Vorbereitung-In "Echt" hat dann alles wunderbar geklappt. Schön war es aber auf jeden Fall für die Kinder, die Oma und Opa 24 Stunden nonstop um sich herum hatten!  Gracy unsere Köchin war auf jeden Fall gut beschäftigt und es hat sich "gelohnt" diverse Schätze der indischen und kontinentalen Küche für 8 anstatt für 2-4 Personen zu kochen.

Nichts von Fremden annehmen!
Logistisch war es manchmal aufregend, den Schulalltag (American School, German School, Hindi School) mit den Besichtigungstouren zu verbinden-auf jeden Fall hab ich gelernt, Delhis logistische Möglichkeiten Metro, Tuk-Tuk, Auto und Taxi so zu kombinieren, dass keine Wartezeiten in der indischen Sonne spürbar waren.  Und hilfreich waren unsere Gäste ja auch noch-wir haben gemeinsam die Waschmaschine ausgewuchtet, Manfred und Johanna haben unermüdlich Fizzy (unsere kleine Hauskatze) draussen "ausgeführt" und beobachtet, wie sie die Welt um unser Farmhouse herum entdeckt. Und als am Sonntag entdeckt wurde, dass die Köchin und unser Houskeeper frei hatten, wurde sogar freiwillig gespült.

Geschafft-Taj Mahal by family

Johanna und Manfred haben die Schulen der Kinder in Aktion erlebt, sind in der Rikscha durch die engen Gassen Old Delhis gefahren und haben sich auch Mareikes Arbeitsplatz angeschaut. Wir waren auf einem Ball der amerikanischen Netzwerker, haben eine Stadtführung mit einem ehemaligen Strassenkind gemacht dessen Lebensgeschichte ab originalen Schauplätzen erlebt und natürlich auch das historische Delhi aus der Mogulzeit erkundet.
Gemeinsamer Höhepunkt unserer Zeit war aber natürlich die Urlaubsfahrt in das "Goldene Dreieck". Delhi-Agra (Taj Mahal)-Jaipur und Pushkar. Wir hatten gemeinsam einen Kleinbus gemietet, lokal kamen dann immer ein paar Reiseführer hinzu. Ich selbst bin ja kein großer Freund von toten/alten Gemäuern, aber manches muss man einfach zur richtigen Zeit erleben, mit Elefanten oder Kamelritt kombinieren und schon ist es trotz viel Fahrerei und frühem Aufstehen richtiger "Urlaub".


Kamel Tanz
Auf jeden Fall habe wir uns wirklich über alle großen und kleinen Besucher gefreut! Wir haben versucht, den Aufenthalt hier mit einer Mischung aus indischem Alltagsleben, Tourismus und natürlich "unserer" Farm zu füllen-das hat für alle wirklich gut funktioniert. Und insofern ist jetzt das Ardee One Hotel wieder frei und wir sind schon gespannt auf die nächsten Gäste. 

Hier die Top 5 Do's und Dont's für spätere Besucher unserer kleinen Farm:
Do!!
1: jeden Morgen ein Sprung in den erfrischenden Pool, quasi direkt aus dem Bett heraus
2: 1 Woche vor der Ankunft nach Mitbringseln fragen, irgendwas können wir immer brauchen (Sahne, Röstzwiebeln, Hamburger Sauce....
3:Zeitschriften oder Zeitungen aus dem Flieger mitbringen. Virtuell haben wir auch viel auf dem Ipad, aber gedrucktes ist immer noch schöner...
4:Mindestens 1*TukTuk in Delhi fahren-das letzte große Abenteuer der Menschheit, sich dabei den Wind durch die Haare wehen lassen und von 4 spurigen Autobahnen träumen
5:Yoga-Session mitmachen. Full Relaxation und don't torture yourself-Übungen für alle zum mitmachen und mitohmen.

Don't
1:Am letzten Tag umknicken und die Bänder oder sonstwas dehnen/brechen. Auch nicht vorher. Am besten gar nicht.
2: zu ängstlich beim Essen&Trinken sein-zu Hause ist ein "sicherer" Platz-und es gibt hier keine chinesischen Erdbeeren oder spanische Gurken sondern Spinat oder Saft aus dem eigenen Anbau.
3:schlag Wurzeln-auch wenn es noch so schön ist-auch die Gastgeber freuen sich über ein paar Gastfreie ein oder zweisame Minuten auf dem Sofa, um zu chillen/TV zu schauen oder über den Tag zu sprechen. Eine gute Idee ist es daher, um ca.21 Uhr das Sofa freiwillig zu räumen.
4:forget ein paar Bücher, es gibt immer etwas Leerlauf/Wartezeiten oder so. Wohl dem, der sich dann beschäftigen kann und sich nicht die ipads der Kinder ausleihen muss.
5:mach irgendwas, wenn H96 zufälligst live im indischen Fernsehen übertragen wird. In dieser Zeit ist der Hausherr und sein Sohn nicht zurechnungs/wahrnehmungsfähig. In dieser Zeit gilt: nicht ansprechen, nicht ins Bild laufen, nichts hinschmeissen, keine Fragen stellen und am besten nicht am selben Abend abreisen: Abschiedsszenen vertragen sich nicht mit Abseits oder nicht gegebenen Toren für die Roten.

Mittwoch, 19. September 2012

Mut und Hut

ok, ok-, die meisten von Euch haben den "Fehler" im letzten Blog erkannt-oder war es doch nicht soo einfach? Die richtige Antwort war der Hinweis auf die unpassende Kleidung des Fahrers:).
Unser Fahrer-"Ravi"-hat jetzt als kleinen Nebenjob noch die Rolle meines Fahrlehrers angenommen und ich bin WIRKLICH in Delhi Auto gefahren. Ok-es war Sonntag morgen, 7.30 Uhr, also eine Zeit, in der Delhis nicht vorhandene Bürgersteige gerade erst wieder aufgeklappt wurden und die Strassenhunde langsam die nächtliche Herrschaft langsam an die Zweibeiner zurückübertragen.
Falsch fahren in jeder Hinsicht fühlt sich wirklich sehr sehr seltsam an. Hauptproblem ist aber der Blinkhebel, der ebenso wie der Wischschalter auf der "anderen" Seite angebracht wurde. Wenn ich also abbiegen will, geht der Scheibenwischer an und wenn es regnet wird geblinkt. So passe ich mich den hiesigen Gepflogenheiten an und halte zum Abbiegen den Arm raus, bzw.bitte Ravi dies zu tun. Ich fahr also über alle roten Ampeln, überhole abwechselnd links und rechts und hupe vorm abbiegen, vorm überholen, vorm losfahren und wann immer ich das Gefühl habe, hupen wäre jetzt eine prima Sache. Ravi findet, ich hupe zu wenig, aber ansonsten mache ich mich schon ganz gut-zumindest Sonntagmorgens um 7.30. Sobald ich meinen ersten Stossverkehr an einem normalen Wochentag abgefahren habe, melde ich kurz Vollzug via Blog. Und wenn ich mich nicht melde, wisst Ihr dann ja auch Bescheid.

Ansonsten ist jetzt Betrieb in unserer bescheidenen Hütte. Großeltern Werth haben erfolgreich ihre erste Indienwoche absolviert, Krishnas Rache ist bisher ausgeblieben (unserer Köchin sei Dank!) und sie fühlen sich sehr wohl hier. Ich habe neben der Köchin noch einen Yoga Lehrer engagiert, der unsere müden Knochen morgens eine Stunde in Bewegung bringt. "You need more flexibility"! Oom-sag ich ja auch immer. Ich versuch mal bei Gelegenheit ein Foto von unserer Yoga Palme, dem Krokodil oder der Kobra mit hier reinzustellen.
Delhi wird touristisch normalerweise in maximal 1-2 Tagen erledigt, aber wenn man etwas tiefer buddelt, findet man doch noch die eine oder andere sehenswerte Perle-z.B.steht für morgen das Toilettenmuseum auf dem Programm. Gibt's wirklich-exclusiv in Delhi und natürlich mit angeschlossener Kanalisation, denn antike Toilettensysteme findet man hier auch ohne dafür gleich ins Museum gehen zu müssen.
Manfred hat gestern seine Jungfernfahrt im Tuk-Tuk absolviert (das sind diese 3 rädrigen Autorikshas)-als besondere Mutprobe war dafür die vom Monsun in wesentlichen Teilen abgetragene Mandiroad zu fahren. Dreiräder haben ja die besondere Eigenheit an keinem Schlagloch vorbeifahren zu können und wir kennen jetzt auch folgerichtig jedes Loch inklusive Vor-und Zunamen.

Zum Thema Mut gehört sicher auch, seinen Lebensunterhalt als Gärtner auf einem Golfplatz zu verdienen-aber gut ausgerüstet und behütet schafft man das auch.

Safety First auf dem Golfplatz!

Behütet ist noch ein letztes gutes Stichwort-am Samstag waren wir auf dem "Mad Hatters Ball" des Delhi Network. Das DN ist eine wundervolle Einrichtung der hiesigen Ausländer, das sich normalerweise einmal wöchentlich zum Tratsch, Klatsch und Hilfe zur Selbsthilfe trifft. Es gab einige verrückte Hüte zu sehen und fast-ja fast hätte ich den 1.Preis gewonnen. Wozu handelsüblicher Malerbedarf in Indien nicht so alles gut ist....

Manfred und Olaf bei den "Mad Hatters"
Quaster Dance

Montag, 10. September 2012

Pappa ante portas

heute abend geht's los:
die Schwiegereltern rücken für einen 4 wöchigen Langzeiturlaub an.
Ein kleiner Flug für sie, eine große Herausforderung uns, denn schliesslich müssen wir ja "nebenbei" noch den Alltag organisieren-die Schulen laufen auf Hochtouren mit den ersten Klassenarbeiten und Eltern(sprech)tagen, Aleida hat am Wochenende Geburtstag, Mareike muss noch ein paar Reifen bauen und die Vokabeln und Grammatik vom Hindisprachkurs lernen sich auch nicht von selbst und ganz abgesehen davon ist jetzt endlich "kalt" genug, um auch mal ein paar kleine weisse Bälle in die Landschaft zu schiessen...aber das bau ich auch noch irgendwie ein.

Für unsere Besucher haben wir uns natürlich ein Programm ausgedacht-und vor allem haben wir diverse Highlights (Taj Mahal etc.) in und um Delhi herum auch für uns selbst zurückgehalten, um diese indischen Highlights gemeinsam in der "Großfamilie" erleben zu können.

Damit das Ganze dann nicht in Arbeit ausartet, wurde für die Organisation der nächsten Wochen noch rechtzeitig unser Farmteam vervollständigt: Wir haben eine eigene Köchin! Gracy ist mit ihrer 4-5 köpfigen Familie&2 Hunden letzte Woche in die "Servant Quarters" eingezogen, insofern können wir jetzt ruhigen Gewissens unseren kleinen Hotelbetrieb aufnehmen. Wir hätten nicht wirklich eine Köchin gebraucht, aber es ist auch irgendwie cool, mal jemanden zu haben und als Nebenjob kümmert sie sich auch noch um unseren Küchengarten, aus dem wir uns zukünftig (zumindest teilweise) mit ernähren wollen. Hier nochmal zum mitschreiben, unsere aktuellen Mitbewohner und Mitarbeiter:
3 Security Guards, 3 Gärtner, 1 Housekeeper, 1 Koch, 1 Poolboy ein Fahrer und eine Köchin.
Ausserdem noch -ebenfalls in dieser Woche eingezogen ein 3 Monate altes Kätzchen namens "Fizzy".

Channel, unser Farmkater hält draussen die Schlangen in Schach, Fizzy soll dagegen ein echtes "Haustier" zum streicheln werden, mal sehen, ob das klappt. Fizzy ist eine "Findekatze" und muss erstmal von uns aufgepäppelt werden-nur Haut und Knochen und schon ein paar Lebenskratzer auf der Nase-aber ansonsten sehr verkuschelt und anhänglich, genauso, wie wir uns das vorgestellt haben. Einer der Vorfahren muss eine Fledermaus gewesen sein-Fizzy hat riesige Ohren und riesige Augen.



Auf jeden Fall freuen wir uns darauf, in den nächsten Wochen richtig Betrieb auf unserer Farm zu haben.
Zuguterletzt noch ein kleines Rätselbild-was stimmt bei diesem Foto nicht. Anwort von mir im nächsten Blog...oder gerne auch als Kommentar von Euch:)

Donnerstag, 30. August 2012

Hindi Bolo (Let's speak hindi)

es gibt so Themen, da hab ich meine eigene Meinung. Dazu gehört, dass Vereine wie Borussia Mönchengladbach, Stuttgart, Schalke und Leverkusen sich besser nicht für die Champions League qualifizieren, weil sie den Cup nicht gewinnen wollen, sondern froh sind, überhaupt dabei zu sein-und so spielen sie dann auch.

Zu den anderen zementierten Meinungen gehört, dass man Sprachen ausschliesslich in dem Land lernt, in dem man sich auch aufhält. Bei meinem Japan Jahr 1993 hatte ich nach 4 Monaten Unterricht ungefähr den Level erreicht, den Japanologie Studenten nach 2-3 Jahren Studium in Deutschland hatten. Nicht weil ich so unheimlich sprachbegabt bin (bin ich nicht!), sondern weil ich die ständige Rückkopplung mit Taxifahrern, Verkäufern, Gärtnern etc. brauche, um eine Sprache sinnvoll zu lernen.

Da Indien bis 1947 englische Kolonie war und englisch 2.Amtsprache ist, liegt ja ausserdem der Gedanke nah, dass man sich mit der Landessprache sowieso eigentlich nicht wirklich auseinander setzen muss und mit Englisch bestens klar kommt. Das stimmt auch-zumindest verhungert man nicht und es gibt x Ausländer, die hier seit mehr als 10 Jahren leben,kein Wort in der Landessprache sprechen und auch klarkommen. Richtig ist aber auch, dass für keinen Inder Englisch die Muttersprache ist: geflucht, geflirtet und gelacht wird in Hindi. Also heisst es frei nach Goethe-sein kein Rindi, lern mal Hindi....und das mach ich dann jetzt auch.

Ich bin ausserdem kein Freund von Einzelunterricht (das Budget für den Einzelunterricht habe ich lieber in einen indischen Kochkurs gesteckt)-und eine Sprachschule, die sich "Hindiguru" nennt, fand ich vielversprechend. Also drückt Olaf jetzt wieder die Schulbank, gemeinsam mit einer Japanerin, einer Moldaviaerin (oder wie schreibt man das??) einem deutschen und einer Amerikanerin. Elena, Michelle, Satoko und Neil heissen also meine Kommolitonen für die nächsten Monate. Mo bis Fr, jeden Tag 2 Stunden, sprechen, lesen und schreiben inclusive der hübschen indischen Schriftzeichen.
Ich kann nach einer Woche schon sagen wie ich heisse, dass ich aus Deutschland komme, jetzt in Delhi wohne und dass der Ventilator an der Wand einen Schalter hat. Das erzähl ich jetzt auch jedem der es hören möchte und den anderen auch. Übung macht den Meister.

Ravi, unser weltbeste Chauffeur in ganz Delhi ist schon ganz beeindruckt und hat beschlossen, meine rudimentären Hindi Versuche mit Umgangshindi anzureichern, wobei ich regelmäßig keine Silbe verstehe.

Für Frederik hatte ich vor ein paar Jahren ein Vokabellernprogramm besorgt, an dem das Beste ist, das man es mit eigenen Vokabeln füllen kann. Wer andern eine Grube gräbt..... "Phase 6" ist jetzt mein bester Freund und Frederik lernt lieber durch englische Bücher lesen und Filme gucken. Eine meiner bisherigen Lieblingsvokabeln ist übrigens "KAL". "KAL" heisst "Morgen" und:  "Gestern". Und das erklärt dann auch, warum die Inder mit Termintreue manchmal so ihre Probleme haben.

Kal milenge: "Bis morgen!" bzw. "gestern!" oder "irgendwann". 

Mittwoch, 22. August 2012

Im Regen


Delhi im Monsunregen, leichte Verzögerungen auf dem Arbeitsweg sind einzuplanen (Bild: Hindustani Times)

ich habe den Nachrichten entnommen, dass sich die Temperaturen zwischen Deutschland und Delhi gerade für eine paar Tage angepasst haben. Wir kommen von "oben"-für uns sind die Temperaturen von 30-35 Grad erfrischend-kein Scherz. Die eigentliche Jahreszeit hier ist aber aktuell der "Monsun". 80% der jährlichen Niederschläge in Delhi fallen in den 2 Monaten Juli und August. Man könnte auch sagen, an 2 Tagen, man weiss nur nicht, an welchen.
Letzte Woche sprach der weise Vater zu seinen Kindern: "Ich glaube, dass war's jetzt mit dem Monsun, nur noch ein paar Tage im August, da kommt nix mehr.
Als hätten die Wolken nur drauf gewartet, ging es dann in den nächsten 24 Stunden mal richtig los. Quasi der Endspurt, um den neunmalklugen Vater zu ärgern und es den neu zugereisten mal richtig zu zeigen, wo der Krishna den Most holt.  Meterologisch nennt man das wohl Starkregen. Fakt ist, das die auf Sonne und Staub eingestellte Kanalisation und Ampelelektronik der Hauptstadt alle Jahre wieder komplett versagt, wenn der Monsun seine Büchsen öffnet.


Wasserkiosk

Delhis Binnenschiffahrt

Die Pendelzeiten zur Schule oder zum Arbeitsplatz vervierfachen sich, wenn man überhaupt ankommt. Besser ist also, am besten gleich zu Haus zu bleiben-fieserweise hat sich der diesjährige Monsunhauptregen aber als Startzeit genau morgens 8.30 ausgesucht, man ahnte also nichts Böses und kaum war man auf der Strasse gab's Wasser aus Kübeln.
Zeitnah hat der Monsun dieses Jahr allerdings auch gerade den bisherigen Chef des indischen Conti Ablegers "weggespült"-vermutlich kein Zeichen dafür, das sich wirtschaftlich Wunsch und Wirklichkeit beim Abenteuer Indien für den Konzern bereits getroffen haben.

Mittwoch, 15. August 2012

Unabhängigkeit

am 15.August ist nicht nur der im weiten Teilen unserer Republik sträflich vernachlässigte "Mariä Himmelfahrtstag"-dh.Marias Ankunft und Aufnahme im Himmel. Hier in Indien ist der 15.August noch ein richtiger Feiertag, mit Militärparaden vorm indischen Tor (India Gate), zumindest vormittags geschlossenen Einkaufszentren und Top-Spielfilmen den ganzen Tag im TV.

Die Unterschiede zu unserem 3.Oktober sind aber schon gravierend-vor allem der Umgang mit dem Tag und den Folgen zumindest für die Bevölkerung in der Hauptstadt. Zunächst einmal werden am Vorabend ab 22 Uhr die Delhis Stadtgrenzen zu den umliegenden Landesteilen gekappt. Bombenleger und ähnliche Unheilstifter sollten also möglichst versuchen, bereits am Vortag anzureisen, um extremen Polizeikontrollen zu umgehen. Aus ähnlichen Gründen werden auch alle öffentlichen Parkplätze und Gebäude am Vortag geräumt, was bleibt sind kleinere Fahrradbomben wie in der letzten Woche in Pune. Diese Sicherheitsvorgaben haben zur Folge, dass der Großteil der Bevölkerung einen möglichst großen Bogen um die festlichen Aktivitäten und Paraden macht. Denn wenn es irgendwann irgendwo kracht, dann mit Sicherheit dort. Also ist der Unabhängigkeitstag vor allem ein Familientag und ein Tag, in dem die Zeitungen voll sind mit patriotischen Gratulationsanzeigen von Firmen und Politikern zum Festtag.

Leider ist daran zu erkennen, dass Indien auch nach 65 Jahren Unabhängigkeit immer noch massive innere und äußere Probleme hat, und viele Probleme sind auf die problematische Teilung Indiens in einen muslimischen Teil (Pakistan) und einen säkularen Teil (Indien) zurückzuführen. Gandhis Ziel war es genau diese Teilung zu verhindern und er ist leider damit gescheitert, da der Wille der damaligen muslimischen Führer einen eigenen Staat zu bekommen zusammenpasste mit dem Wunsch der englischen Regierung eine bewusste Destabilisierung der Region zu erreichen.
Die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser und Strom spielt dagegen eine untergeordnete Rolle in der öffentlichen Diskussion, die aktuellen 2 größeren Volksbewegungen von Anna Hazare und dem Guru Baba Ramdev haben als Ziel die durchdringende Korruption im Land zu bekämpfen, durch die die diversen Versorgungsknappheiten überhaupt verursacht werden.
Korruption wird als aktuelle Wurzel allen Übels angesehen-von 100 Rupien, die für den Straßenbau ausgegeben werden, werden 10 Rupien auch für den Strassenbau verwendet-der Rest "versandet". Damit erklärt sich dann auch die große Ineffektivität in fast allen Infrastrukturbereichen. Geld ist theoretisch genug da, aber es erreicht nicht die Brandherde.
Letzte Woche legte Baba Ramdev, das komplette Zentrum von Delhi lahm, indem er eine nicht genehmigte Demonstration von ca.7000 Gefolgsleuten quer durch die Stadt organisierte. Die komplette Demonstration wurde "pro forma" verhaftet und in ein Stadtion als provisorisches Gefängnis geleitet (in dem 2 Tage später ein Fussballturnier stattfinden soll-viel Spass auf dem Acker).  Die Aktion lief gewaltfrei ab und war nach 10 Stunden vorbei-die Pendler hatten allerdings nach den 2 großen Stromausfällen wieder einen Tag, an dem der Arbeitsweg 3 Stunden statt 40Minuten dauerte.

Dienstag, 7. August 2012

Blackout

es ist ja immer bemerkenswert, wenn Indien in der deutschen Gazettenlandschaft auftaucht. In der langjährigen deutschen Nachrichten Hitliste stehen an erster Stelle Naturkatastrophen aller Art, der Kaschmirkonflikt mit Pakistan  und Attentate auf Politiker, Touristen oder Fahrräder, oder eine Kombination dieser Themen.
Bei den Gazetten mit erweitertem Medaillenspiegel findet Indien zusätzlich auch während der Olympischen Spiele normalerweise zwischen Platz 30 und 45 statt. (Bisher: 1 Silber, 2 Bronze-ausserdem den absolut letzten Platz beim Hockeyturnier-und Cricket ist nunmal leider nicht olympisch, wird aber eventuell zeitglich mit Bosseln und Klootschiessen demnächst ins Programm genommen, damit kleinere Nationalitäten wie Indien und Ostfriesland auch mal am Gold knabber können)
Eine Premiere waren die 2 großen Stromausfälle am 30.und 31.Juli. Also-Stromausfälle an sich sind hier ja nun wahrlich nichts besonderes, jeden Tag gibts davon so 10-15 kleinere, aber das mal einen ganzen Tag das halbe Land stromtechnisch lahmgelegt wird, schaffen selbst die Inder nicht so häufig.
Die Stromversorgung an sich ist eine der richtig, richtig großen Baustellen und ehrlicherweise ist das Thema auch nicht so trivial wie in Deutschland. Problem ist das nach wie vor enorme Wachstum im Energiebereich, pro Jahr wird mindestens 10-20% mehr Leistung benötigt. Hinzu kommen die wetterbedingten Schwankungen-wenn der Monsun nicht kommt, oder nicht die benötigten Niederschläge für die Landwirtschaft bringt und die Bauern ihre Wasserpumpen anschmeissen müssen und parallel die Klimaanlagen in den industrialisierten Bürobereichen Schwerstarbeit verrichten müssen, wird der Strom knapp.  In Indien sind diverse große Kraftwerke im Bau (inklusive einiger Nuklearanlagen) allerdings ist die gesamte Infrastruktur der Energieverteilung (die berühmte "letzte Meile") auch höchst anfällig für Störungen.

Nach dem ersten Blackout Tag waren die indischen Politiker noch geradezu euphorisch mit dem Problem umgegangen-das Netz war schon nach 10 Stunden wiederhergestellt, in 2003 in den USA (die älteren werden sich erinnern??) hat so ein Blackout 48 Stunden gedauert und die Amerikaner hätten sich damals von  indische Experten beraten lassen, um zukünftig solche Ausfälle zu vermeiden-leider hatten diese indischen Experten aber jetzt wohl gerade Urlaub oder so.
Nach dem zweiten Blackout Tag, als auch der Rest des Nordens sich dem Stromverzicht anschloss verzichteten die Politiker auf Erfolgsmeldungen und beschränkten sich auf die Bildung eines Arbeitskreises und eine Kabinettsumbildung.

Tatsache ist-der Generator im Haus erspart den Stromtechniker-darum ist auch in unserem Farmhaus unser 6 Zylinder "Notstromgenerator" regelmäßig aktiv
50KVA Motor (Diesel)


Und daher hätten wir den ersten Blackout Tag auch fast "verpasst"...-Erst als wir ausserplanmäßig am Abend nochmal die Dieselkanister vollmachen mussten war klar, dass es diesmal ein besonderer Tag war.